Das Wesen des Irischen Wolfshundes
In einschlägiger Literatur wird sehr viel über das Wesen des IW geschrieben. Es ist sicherlich häufig etwas idealisiert und vieles ist auch pauschaliert. Ein IW kann im Wesen einer Dänischen Dogge, einem Mastiff, oder auch einer sog. Promenadenmischung sehr viel ähnlicher sein, als einem anderen IW. Gleichwohl treffen einige Eigenschaften anscheinend auf alle Wolfshunde zu.
1. Die Gemeinsamkeiten im Wesen aller Wolfshunde
Obwohl sicherlich auch beim IW Ausnahmen die Regel bestätigen, wollen wir hier Eigenschaften auflisten, die wir bei allen uns bekannten Hunden vorfanden.
Sensibilität und Weichheit:
Wolfshunde sind sensibel und von weichem Charakter. Sie halten menschliche Härte nicht aus. Ihre Erziehung muss natürlich bestimmt sein, aber niemals hart. Unser Rüde Theo ist ein gutes Beispiel. Sowie er zuviel Druck empfindet ist er nicht mehr aufnahmefähig. Sie müssen diesen Punkt bei Ihrem Hund merken und die Lektion abbrechen.
Freundlichkeit und Positive Einstellung gegenüber anderen:
Wolfshunde sind von freundlichem Wesen und, sofern sie entsprechend sozialisiert sind offen und positiv für Begegnungen mit anderen Menschen und Tieren. Jeder Gast wird je nach Ausstrahlung oder Bekanntheit, freundlich bis überschwänglich, doch zumindest neutral begrüßt. Jedes kleine und große Tier wird zunächst als potentieller Freund gesehen. Sie lassen sich von Kindern oder kleinen Tieren wirklich sehr viel bieten, solange der Gegenüber nicht als Gefahr gesehen wird. Deshalb sind Wolfshunde, wenn man von der abschreckenden Größe absieht, als Wach- oder gar Schutzhunde völlig ungeeignet. Das ist nicht Ihr Wesen und das ist gut so.
Dominanz/Durchsetzungsfähigkeit und Konfliktscheuheit:
Irische Wolfshunde sind gegenüber anderen Hunden (Größe ist für Hunde beängstigend) in der Regel dominant. Sie lassen sich wie bereits erwähnt manchmal sehr viel bieten, um jedem ernsthaften Streit aus den Weg zu gehen. Hat der IW jedoch die "Schnauze" voll ist er ein sehr kampfstarker Hund. Diese Eigenschaft hat er sich von seinen Vorfahren, die in Irland, und England im 18. Jahrhundert auf Veranlassung des Menschen den Wolf gejagt und ausgerottet haben, bewahrt. Wenn ein IW sich dann irgendwann doch entschließt sich gegen einen anderen Hund zu wehren, wird er der Sieger sein. Ein IW Besitzer im Nachbarort berichtete uns einen Vorfall mit seinem zweiten Hund, einem Dobermann. Der hinzugekommene Dobermann habe den IW Rüden über Monate attackiert und gebissen. Als der Rüde sich dann zur Auseinandersetzung entschloss, verletzte er den Dobermann innerhalb weniger Sekunden so schwer, dass sich der Besitzer für das Einschläfern entschied.
Ähnliches erleben wir mit unserem Kater Rulli. Rulli ist riesig, ca. 10 Jahre alt, hat nur noch einen Zahn und ist furchtbar lieb und anhänglich. Er meint aber leider er müsse uns gegen unsere Hunde verteidigen, was manchmal dazu führt, dass Rulli wie eine Furie auf die beiden losgeht. Beide lassen sich das bieten und fliehen solange es irgendwie geht. In die Enge getrieben hat ihn Leni schon zweimal heftig attackiert und in die Flucht geschlagen. Wer die Stärkere ist, ist eigentlich geklärt. Trotzdem meidet sie Ihn und entzieht sich jeder Auseinandersetzung.
Insbesondere die Konfliktscheuheit ist jedoch ein typisches Merkmal der meisten Hunde und Hunderassen.
Dieses Wolfserbe, einer Auseinandersetzung aus dem Wege zu gehen und wenn diese doch unvermeidbar, dem Rudelführer zu überlassen, erklärt dieses Verhalten. Der Besitzer ist der Rudelführer. Warum sollte der Hund, der in der Familie die letzte Rangposition einnimmt, z.B. seinen Rudelführer beschützen? Ist das nicht eigentlich die Aufgabe des ”Chefs“, für Ruhe und Ordnung zu sorgen?
Damit sind unseres Erachtens die rassetypischen Eigenschaften, jedoch bereits erschöpft.
2. Die Unterschiede im Wesen der Individuen
Der IW wurde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit wenigen übrig gebliebenen Exemplaren und Einkreuzung vieler anderer Rassen rückgezüchtet. Genauso wie sich dies äußerlich in sich voneinander stark unterscheidenden Zuchtlinien ausdrückt, so verschieden sind auch die Charakteren.
Theo ist faul, ruhig, stur, intelligent. Leni ist aktiv, unterwürfig und hektisch. Theo ist somit der klassische Wolfshund. Leni ähnelt in ihren Eigenschaften mehr einem Arbeitshund. Hunde sind nach sog. "Arbeitsintelligenz" in einer Rangordnung von Platz 1 bis ca. 130 gelistet. Der Irische Wolfshund belegt dabei Platz 34. Arbeitsintelligenz könnte man etwas zugespitzt damit beschreiben, dass der Hund möglichst schnell macht, was wir von ihm wollen. Aus unserer Sicht sind es nicht nur die dümmsten Hunde, sondern auch die dümmsten Menschen, die immer prompt und mit vorauseilendem Gehorsam erledigen, was Autoritäten von Ihnen erwarten. Ein typisches und beim IW oft verwendetes Beispiel ist das Stöckchen holen. Ein Wolfshund tut so was nicht. Stimmt bei Theo. Er will nicht mit dem Stöckchen spielen, sondern mit dem Menschen. Auch auf Aufforderung ist er nur sehr widerwillig bereit, das blöde Ding zu holen, das offensichtlich niemand braucht. Es wurde ja eben weggeworfen. Bei Leni ist das völlig anders. Sie macht alles um uns zu gefallen und findet dabei nach kurzer Zeit auch immer Spaß daran. Deshalb ist Leni sicher nicht blöd. Sie zeigt eben eher das hündische Verhalten der Unterordnungsbereitschaft ("Arbeitsintelligenz"). Insofern ist die vorherige Feststellung über "blöde Hunde" sicherlich auch relativ, eignet sich jedoch hervorragend um das Wort Arbeitsintelligenz zu karikieren.
In jedem Fall, sollten wir uns bei der Auswahl im Klaren sein, dass jedes Tier ein Individuum ist, das sich in vielen Dingen vom klassischen IW - Wesen unterscheidet. Wir sollten auch nicht zu viel erwarten, da dann die Enttäuschung vorprogrammiert ist. Diese Aussage resultiert aus unseren eigenen übersteigerten Erwartungen (bekannte Bücher), die dann darauf reduziert wurden, dass wir doch kein Überwesen, sondern einen Hund hatten. Umgekehrt ist für Mensch und Tier schöner.