Die Welpen entdecken die Welt

 

Zwischen der zweiten und der vierten Woche geschieht Einschneidendes im Leben der Hundewelpen Sie beginnen, sich ihre Umwelt zu erobern - und werden "stubenrein". Wie, schildert Hundekenner Eberhard Trumler im Folgenden.

Lesen Sie hier einen Artikel aus der Zeitschrift "DAS TIER", Ausgabe August 1983 (Herausgeber: Prof. Dr. Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann). Der Verfasser ist der bekannte Hundeforscher Eberhard Trumler. Der Biologe und Schüler des Nobelpreisträgers Konrad Lorenz hat sich eingehend mit der Zucht und dem Verhalten von Wild- und Haushunden beschäftigt und darüber mehrere Bücher geschrieben, unter anderem "Ein Hund wird geboren", Piper-Verlag, München, 1982. Wir unterstützen diesen Artikel in seiner grundsätzlichen Aussage voll und stellen ihn deshalb an dieser Stelle ungekürzt zur Verfügung:


Hundewelpen haben in den ersten Lebenstagen nur drei Bedürfnisse: Schlafen, saufen und Körperberührung (mit der Mutter oder den Geschwistern). Das ändert sich erst am Ende der zweiten Lebenswoche. Der gesunde Welpe hat nun schon sein Geburtsgewicht zumindest verdoppelt, und ab dem zwölften Tag trennen sich die Augenlider voneinander. Erst einige Tage später beginnt er wirklich zu sehen, wohl kaum vor dem 17., 18. Tag. Die Ohren öffnen sich am 13. Lebenstag, und die Hörfähigkeit entwickelt sich offenbar im Verlaufe der 3. Woche. Es ist ungemein reizvoll, dieses "Erwachen" der Welpen zu beobachten, wie sie allmählich die Umwelt erforschen. Mit der zunehmend geschickter werdenden Fortbewegung, lernen es die Jungtiere, bestimmte Ziele anzusteuern. Aus dem unbeholfenen Kriechen wird ein Kriechlaufen, bei dem der Bauch allmählich mehr und mehr vom Boden abgehoben wird, bis die Welpen am 21. Tag richtig, wenn auch tollpatschig, laufen können.

 


Beim Goldschakal, den man früher als einen möglichen Vorfahren unserer Hunde betrachtet hatte, verläuft die Welpenentwicklung übrigens viel schneller. Während Wolfs- und Hundewelpen das Wurflager niemals vor dem 21. Lebenstag verlassen, tun das junge Goldschakale bereits am 14. Tag. Dabei sind Augen und Ohren schon offen, und sie können richtig laufen. Ein Beweis mehr dafür, dass Haushunde nicht von Schakalen abstammen können.
Mit der Seh- und der Hörfähigkeit erwacht auch die Neugierde. Die Welpen beginnen ihre Umwelt zu erforschen. Jetzt setzen sie auch die Nase für dieses Ziel ein und beschnuppern alles. Wie Kleinkinder mit den Händen die Dinge ihrer Umwelt "begreifen lernen", so tun das die Welpen mit Zähnen und Zunge. Neben der Mutter werden die Ohren, Nasen, Pfoten und Schwänze der Geschwister besonders "geprüft". Hierbei macht jeder Welpe wichtige Erfahrungen. Stärkeres Hineinbeißen löst Zorn- und Schmerzenslaute, Abwehr und Ausweichen aus. Gleichzeitig lernt man die Zähne der Geschwister ebenso an den eigenen Ohren oder der eigenen Nase als schmerzend und ärgerlich empfinden - und gewöhnt sich an eine "beherrschte Sanftheit" im Umgang mit den Artgenossen.
Das Spielverhalten erwacht im Verlaufe der dritten Woche. Es kommt zu den ersten Beißspielen, sanften Rangeleien der Geschwister. Sie versuchen sich gegenseitig mit dem Fang festzuhalten. Das verläut alles noch sehr tapsig und unbeholfen - wie in Zeitlupe.


Die Welpen werden stubenrein

 

nach drei Wochen sind die Welpen mehr als dreimal so schwer wie bei der Geburt und können richtig laufen. Bis zu diesem Tag leckt die Mutter Harn und Kot stets sorgfältig auf und hält so das Lager sauber. Aber nun führt sie die Welpen hinaus, und das wohl auch zu dem Zweck, dass sie von nun an zum Harnen und Koten ins Freie gehen. Hunde werden also von allein stubenrein. Aber das kann natürlich nur dort klappen, wo die Welpen sich jederzeit aus dem Wurflager entfernen können und ins Freie gelangen können. In der Wohnung ist das selten der Fall! Auch die Wände der Wurfkiste sollten nicht so hoch sein, dass sie Welpen sie mit drei Wochen noch nicht überklettern können. Wenn irgend möglich, sollte der Hundezüchter das Wurflager so einrichten, dass ein Ausweg ins Freie besteht. er wird den Welpen und den zukünftigen Käufern viel Unannehmlichkeiten ersparen. (Mit Leni hatten wir dieses Glück leider nicht. Sie pinkelte mit Vorliebe auf die Küchenfließen, da sie das beim Züchter so gelernt hatte. Theo war stubenrein, mit ihm war es leicht.) die schreckliche und unsinnige Methode, Stubenreinheit durch Naseneintauchen in harn oder Kot zu erreichen, weil der Welpe gegen seine Natur Reinlichkeit nicht erlernen konnte, sollte längst der Vergangenheit angehören. Es gibt nun einmal keinen besseren Weg, als den Welpen die ersten tage aufmerksam zu beobachten. Sobald er mit tiefer Nase umherschnuppert und im Kreis zu laufen beginnt, muss man ihn freundlich ansprechen, ihm den Weg durch die Türen zeigen und ihn an jenen Ort bringen, wo er darf und soll. Wer das einige Tage tut und dazu noch geregelte Fütterungszeiten einhält, hat schnell den gewünschten Erfolg.

 

zurück