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Huggi
Huggi ist eine
Rabenkrähe. Wir fanden den Kleinen Ende Mai, erst halb befiedert. Er war
aus dem Nest gefallen. Die nächsten Tage verbrachte er in einem mit Heu
ausgelegten Karton und hieß von jetzt ab Huggi. Dann ging's in einem
großen Käfig nach draußen und bereits 14 Tage später machte Huggi die
ersten, unbeholfenen Flugversuche. Inzwischen lebt Huggi Im Freiflug bei
uns. Ab und zu besucht er auch seine Artgenossen draußen auf den Feldern.
Wir haben aber immer das Gefühl, dass er nicht all zu viel mit ihnen
anfangen kann.
Lieber "fliegt" Huggi mit
uns und den Hunden spazieren oder beobachtet die Bauarbeiter auf der
Straße vor unserer Wiese. Und er will's genau wissen. Rabenkrähen und vor
allem ihre nächsten europäischen Verwandten, die Kolkraben, sind
hochintelligente Tiere. Wenn ein Bauarbeiter ein Loch buddelt und dann
weggeht, fliegt Huggi in das Loch und schaut nach, was da genau gemacht
wurde. Wenn wir im Garten Beikraut jäten, schaut er zu und beobachtet
akribisch. Danach zieht er selbst die Pflänzchen raus. Leider erwischt er
dabei meist eine Zwiebel oder einen frisch umgesetzten Salat. Er
beobachtet alles und versucht es sofort umzusetzen.
Huggi ist leider auch das,
was wir Menschen gerne mit einem "Tu-Nicht-Gut" bezeichnen. Das hängt wohl
damit zusammen, dass er in Ermangelung eines Kameraden etwas
unterbeschäftigt ist. Er liebt es zu klauen, zu zerstören, die Katzen am
Schwanz zu ziehen oder die Ziegen in die Beine zu picken. Hauptsache es
erfolgt eine Reaktion.
Neulich hat er unserem
Nachbarn den Geldbeutel geklaut. Da dieser aber zu schwer war, kam er
damit nicht über den Gartenzaun. Er hat den Inhalt also gleich vor Ort
(auf der Straße) untersucht. Als der Nachbar ankam, lag der Inhalt auf der
Straße verstreut und Huggi wollte mit dem Fahrzeugschein wegfliegen.
Er liebt alles was blitzt
und blinkt. Als ihm Marion den Schlüsselbund gezeigt hat, sagte Huggi
begeistert "Kraaaah!!!". Das bedeutet auf Deutsch "Darauf hab ich doch
gewartet!" In Sekundenbruchteilen entriss er Marion den Bund und weg war
er. Wenn wir ihm in solchen Situationen hinterher rennen, hat Huggi einen
rießen Spaß und wir sehen das flüchtige Teil nicht wieder. Die einzige
Möglichkeit ist, ihn jetzt mit einem noch interessanteren Gegenstand
abzulenken.
Huggi ist inzwischen "dorfbekannt"
und überall gern gesehen; zumindest so lange er nicht klaut.
Am 07. August 2005 haben wir
Huggi zum letzten mal gesehen. Vermutlich hat er sich, was normal wäre um
diese Jahreszeit, einer Junggesellenbande angeschlossen. So sehr wir ihn
vermissen, denken wir doch, dass es besser ist, wenn er natürlich,
seiner Art entsprechend lebt.
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