Erziehung
Bei der Erziehung Irischer Wolfshunde sind sicherlich einige Rasse spezifischen Besonderheiten zu beachten. Grundsätzlich sind alle Windhunde sehr eigenständig und machen gerne das, was sie selbst möchten. IWs sind dabei jedoch relativ einfach und es gibt völlig unterschiedliche Charakteren innerhalb der Rasse. Erziehung und der Umgang müssen immer konsequent sein, jedoch niemals hart.
1. Hunde finden Demokratie asozial!
Mit diesem Satz sollten Sie sich grundsätzlich vor der Anschaffung eines Hundes beschäftigen. Sie sollten verstehen, was damit gemeint ist und der Satz sollte Ihr Wegbegleiter im Umgang mit Ihrem Tier sein. Wenn sie einmal nicht wissen, wie Sie mit einer Situation umgehen sollen, hilft Ihnen dieser Satz weiter. Schauen Sie sich vor der Anschaffung eines Hundes Sendungen über wilde Wölfe an. Sie können Ihr Verhalten zu 100% dem Rudelchef und seiner Partnerin abschauen und imitieren. Dann kann nichts schief gehen.
Das so genannte Alpha Paar trifft alle Entscheidungen alleine. Widerspruch wird nicht toleriert. Dasselbe erwartet Ihr Hund von Ihnen. Wenn Sie dieser Vorstellung nicht gerecht werden, versteht er Sie nicht. Viel mehr noch. Er hält Sie für unfähig die Führungsrolle zu übernehmen. Er sieht sich dann auch gezwungen, wenn er Sie "das nicht machen lassen kann", die Führungsrolle selbst zu übernehmen. Im Gegenzug erwartet er von Ihnen natürlich dann absoluten Gehorsam :-).
Dieses Sozialverhalten, das Hunde als unterordnungsbereite und Gruppen orientierte Wesen kennzeichnet, begründet ein Jahrtausende langes erfolgreiches Zusammenleben mit dem Menschen. Der Hund akzeptiert den Menschen als Rudelführer.
Die meisten IW Junghunde stellen diese Rangordnung ein oder zweimal in Ihrem Leben, in der Regel beim Heranwachsen, in Frage. Ihr kleiner Rüde macht das meist einige Tage oder Wochen, nachdem Sie ihn nach Hause geholt haben, indem er sie kräftig verbellt, wenn Sie ihm etwas verbieten wollen und sich dabei aufführt, wie eine kleine Wildsau. Das sieht beim noch Hundezwerg sehr lustig aus, muss jedoch konsequent, durch umgehende Entfernung aus der Gemeinschaft (5-10 Minuten, je nach Alter des Welpen ins Einzelzimmer) bekämpft werden. Ein dominanter Rüde versucht es im Flegelalter von ein bis zwei Jahren noch einmal. Unser Rüde Theo hat uns mit 14 Monaten verbellt, als sein Essen bereits vorbereitet im Napf war, er es aber noch nicht haben konnte, da es noch nicht 20:00 Uhr war. Also: "Ab auf den Hundeplatz!".
Die meisten Hündinnen möchten sich genauso wie Rüden durchsetzen. Sie versuchen das aber mit viel komplexeren Verhaltensweisen. Die Maßnahmenpalette der Junghündin reicht vom Trotzpinkeln bis zum zeitweisen Liebesentzug. Das ganze kann sehr, sehr menschlich wirken.
Wir möchten an dieser Stelle kein weiteres Grundwissen zur Hundeerziehung vermitteln. Darüber wurden und werden sehr viele gute und schlechte Bücher geschrieben. Sie sollten in jedem Fall vor der Anschaffung Ihres ersten Hundes einige davon lesen.
Im weiteren möchten wir nur einige spezielle Anmerkungen zur Hundeerziehung aus unserer Sicht machen, und dann noch einige Rasse spezifischen Aspekte beim IW ansprechen.
2. Positives Bestärken und Bestrafung
Literatur und Fernsehen suggerieren gerne, dass so genanntes Positives Bestärken (richtige Handlung mit Lob bestätigen) das einzige Mittel der Hundeerziehung sei. Sicherlich bestimmt diese Methode vor allem bei der Welpenerziehung den Alltag, sie ist das "A und O" des Alphabet. Ohne Bestrafung geht es aber nicht. Wir halten es für falsch dies zu verschweigen, da der Hundehalter erstens eine romantische Erwartung hat, die der Hund nicht erfüllen kann, zweitens wird der Hundehalter, wenn eine Bestrafung erforderlich wäre falsch handeln, was den Konflikt verstärkt. Für Mensch und Hund wird es aufgrund falsch verstandener Tierliebe nun immer problematischer; für viele zum Alptraum.
Unter Bestrafung verstehen wir viele verschiedene Maßnahmen. Die wenigsten haben dabei mit körperlicher Gewalt zu tun. Das wichtigste ist, dass Ihr Hund Ihren Ärger wirklich spürt. Eine der effektivsten Bestrafungen ist dabei die Nichtbeachtung einer Verhaltensweise.
Stellen Sie sich folgende Situation vor:
Sie befinden sich in einer Gesellschaft; erzählen einen weniger gesellschaftsfähigen Witz. Sie erwarten, dass die Gesellschaft Sie nun mit Lachen und Anerkennung bestärkt. Aber es passiert etwas ganz anderes. Einige schauen verlegen zur Seite oder an die Decke. Einer schüttelt den Kopf; das Gespräch verstummt. So etwas ist für uns verdammt peinlich. Wenn die Dame oder der Herr Ihrer Wahl Sie nun auch peinlich betroffen anschaut, haben Sie für alle Zeit abgespeichert, dass Sie sich in dieser Gesellschaft nicht so verhalten können.
Genauso übel ist das für unseren Hund. Wenn der kleine Welpe sich wie toll aufführt und alle Lachen, heißt das: "Das hast du gut gemacht, du bist ein toller Kerl!" Wenn jedoch keiner lacht, niemand auf ihn schaut und ihn jemand sogar noch sanft wegschiebt, und das Gespräch am Gartentisch fortgesetzt wird, ohne ihn zu beachten, ist der Hund in der gleichen Situation, wie Sie nach dem Witz. Er sitzt dann meist da wie ein begossener Pudel. Auf jeden Fall merkt er sich, dass in so! keiner toll findet.
Nichtbeachtung einer Verhaltensweise sollte als wesentliche Erziehungsmethode gesehen werden. Es trifft Ihren Hund viel härter als ein Klaps auf den Hintern. Wichtig dabei zu beachten ist, dass Sie den Hund, wenn er dann wieder zu Ihnen kommt, Sie ihn nicht ignorieren dürfen. Ignorieren ist menschlich, nicht hündisch. Ihr Tier versteht es nicht, wenn Sie es durch Ignorieren strafen möchten. Streicheln Sie es jetzt. Es wird dann denken, dass Sie der liebste Mensch auf der Welt sind, der Ihm jetzt hilft, das schlechte Gefühl der Nichtbeachtung los zu werden.
Eine noch härtere Strafe ist das oben bereits beschriebene kurzzeitige Ausschließen aus der Gesellschaft (Rudel).
Eine durchweg hündische Bestrafung ist die Körperliche Bestrafung in Verbindung mit spürbarer Verärgerung. Der Rudelführer weist Rudelmitgliedern auf diese Art den Weg. Wir wenden diese Form der Bestrafung an, wenn ein Verbot nachhaltig nicht beachtet wird. Zum Beispiel beim Spaziergang, bei Aufforderung nicht kommen (natürlich nur, wenn der Hund das bereits gelernt hat), oder dem Jagen eines Wildes. Wir ziehen unsere Hunde dabei leicht am Fell. In den Flegeljahren kommt das vielleicht einmal bis zweimal im Monat vor.
Dabei ist es wichtig, dass Sie Ihrem Hund keine Schmerzen zufügen. Das ist nie erforderlich und lediglich ein Akt mangelnder Selbstbeherrschung des Hundehalters. Der Hund muss Ihren Ärger spüren, nicht Ihre Hand.
Der Ärger muss auch reell sein, denn Vorspielen können Sie sicherlich vielen Menschen etwas, niemals jedoch einem Hund. Seine Instinkte sind viel feiner, als die des Menschen.
Andere so genannte Bestrafungen oder Erziehungsmethoden, wie körperliche Qualen, Entzug von Nahrung und Wasser, Schläge o.ä. fallen ebenfalls ausschließlich unter das Kapitel mangelnde Selbstbeherrschung des Hundehalters oder gar Kompensation von eigenem Frust. Diese Dinge sind erzieherisch gänzlich sinnlos, da sie vom Hund nicht verstanden werden und nur dazu dienen seinen Willen zu brechen. Das ist nie erforderlich, schon gar nicht beim Wolfshund.
Wir haben in diesem Kapitel einiges über Bestrafungen ausgesagt, da Bestrafung in gängiger Literatur selten erwähnt wird. Vermutlich weil sich, zum Schaden von Hund und Hundehalter, niemand an dieses Thema herantraut. Wir wollen Ihnen eine praktische Hilfestellung geben und Ihnen und Ihren Hunden das Leben erleichtern. Ebenfalls möchten wir abgrenzen, was aus unserer Sicht Bestrafung ist und was nicht. Vergessen Sie dabei nie, dass Lob und positive Bestärkung und vor allem gegenseitige Liebe die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Hund prägt.
3. Welpenerziehung
In diesem Kapitel möchten wir uns auf zwei, uns wichtig scheinende Punkte beschränken. Grundsätzliches zur Welpenerziehung finden Sie in einschlägiger Literatur.
1. Welpen müssen, so schwer uns das fällt, ab der ersten Stunde in der neuen Familie, konsequent behandelt werden. Entscheiden Sie vorher, was der Welpe darf und was er nicht darf. Wohin er darf und wohin er nicht darf. Wenn er einmal
etwas als erlaubt betrachtet, versteht der Welpe ein späteres Verbot zunächst nicht. Er wird es aber bei Konsequenz schon bald akzeptieren.
2. Welpen dürfen erst bestraft werden, wenn sie die von ihnen erwartete Handlung vollumfänglich begriffen haben und, wenn sie ein entsprechendes Alter haben. Das kleine Gehirn begreift noch nicht so schnell und denkt vor allem anders, als das Gehirn des erwachsenen Hundes. Der Welpe kann nur durch positives Bestärken effektiv lernen. Ein gutes Beispiel ist der Befehl "Komm!" Wenn Sie den Welpen, wenn er ankommt überschwänglich loben und im ein Leckerli geben, heißt das für ihn: "Wenn Frauchen komm ruft will sie mich loben, ich krieg was zu essen und es geht mir gut. Also nichts wie hin!" Erst mit dem Erwachsen werden kann dieser Befehl in eine Pflicht umgewandelt werden. Ein Welpe kennt keine Pflicht; er kann nicht gehorchen. Er kann lediglich Handlungen auf Verbot unterlassen (zum Beispiel die Kommandos "Nein!" oder "Pfui!"). Sie können also den Welpen auch nicht bestrafen oder ihn an die Leine legen, wenn er nachdem es zehn mal geklappt hat, er beim elften mal nicht kommt, da es interessantere Dinge gibt. Sein kleiner Denkapparat würde dann verstehen: "Wenn Frauchen ruft, komm ich an die Leine und werd' angeschissen. Also nichts wie weg!" Der Welpe denkt nicht so komplex, wie wir das wünschen: "Wenn ich gleich komme, werd' ich gelobt. Wenn ich nicht komme, werd' ich zusammengeschissen. Also komm ich gleich." So denkt erst der erwachsene Hund.
Erziehung und Zusammenleben mit Hunden funktioniert dann, wenn Sie im wahrsten Sinne des Wortes "Auf den Hund kommen"; wenn Sie lernen wie ein Hund zu denken. Das sollte Sie keinesfalls davon abhalten einen Hund ins Haus zu holen. Sie müssen und können vorher vieles nicht wissen. Sie müssen sich lediglich vorher fragen, ob Sie dazu bereit sind zu lernen und sich zu interessieren. Sie dürfen Ihren Hund nie als Mensch sehen, den sonst würde er auch Mensch heißen.
4. Besonderheiten bei der Erziehung von Wolfshunden
Irische Wolfshunde sind von weichem Wesen. Sie ertragen menschliche Härte nicht. Wenn es Ihrem Hund bei der Ausbildung zu viel wird und dieser Punkt ist nach 5 - 15 Minuten erreicht, kann er nicht mehr lernen. Er setzt sich vor Sie hin und bittet Sie, z.B. durch Hand auflegen das Ganze abzubrechen. Sie müssen ihn dann in den Arm nehmen, Ihn beruhigend loben und mit einer Übung, die er gut kennt das ganze positiv abschließen. Allerdings müssen Sie merken, wann es wirklich zu viel wird, sonst macht Ihr Hund dieses Verhalten zur Methode.
Aufgrund der Sensibilität der IWs reicht schon wenig, um sie zum Gehorsam zu bewegen. Bei Härte schaltet Ihr Hund ab, wirkt wie abwesend und steht nur still, macht gar nichts mehr. Wenn sie einmal, aufgrund eines Fehlverhaltens ihres Hundes zu weit gegangen sind, was menschlich ist und auch vorkommen kann, Sie das aber gleich merken, dürfen Sie Ihren Hund auf keinen Fall loben und trösten. Denn dann würde er die Welt überhaupt nicht mehr verstehen. Der "Anschiss" war ja zurecht, es hätte nur weniger gereicht. Am besten ist es, Sie gehen dann einfach weg und lassen ihn in Ruhe. Danach geht's normal weiter.
Spielen ist für kleine Wölfchen und große Wölfe genauso wichtig, wie für andere Hunde. Wenn Sie einen Einzelhund haben, müssen Sie mit Ihm spielen und später mit ihm arbeiten und ihn beschäftigen. Wir sind überzeugt davon, dass deshalb die Haltung zweier Hunde insgesamt viel weniger Arbeit macht als die Haltung eines Einzelhundes.
Zum Thema Spielen möchten wir nochmals als Besonderheit erwähnen, dass Ihr Wolfshund mit Ihnen spielen will, nicht mit z.B. einem Stöckchen. Er sieht das, im Gegensatz zu den meisten anderen Rassen, nicht als gemeinsames Spiel.